Der Sohn der Unterwelt

Götter-Romantasy im antiken Griechenland von Dana Graham


Ich war am Anfang ja sehr skeptisch, denn ich muss zugeben: Das war meine allererste Romantasy. Aber der Klappentext hat mich angesprochen, also hab ich dem Sohn der Unterwelt eine Chance gegeben.


Kryos ist der unerwünschte Sohn des Gottes der Unterwelt. Um seinem tristen Dasein im Hades zu entkommen, nimmt er einen ungewöhnlichen Auftrag an. Er soll den frevelhaften König von Akora zu Fall bringen und dazu in den Körper von dessen Sohn Yamin schlüpfen. Es gibt nur ein Problem: Prinz Yamin ist verlobt!

Kryos’ aufkeimende Gefühle für Prinzessin Io machen es nicht leichter, zu verbergen, wer er wirklich ist. Auch Io verwirrt das veränderte Auftreten des Prinzen mehr, als ihr lieb ist. Schliesslich hat sie bislang nach einem Weg gesucht, ihrer politisch arrangierten Ehe mit Yamin zu entgehen.

Gemeinsam kommen Kryos und Io einer Intrige gegen den Göttervater Zeus auf die Spur, die sie beide in tödliche Gefahr bringt. Und schon bald muss Kryos sich entscheiden zwischen der Liebe einer Irdischen und einem Platz im Olymp. (Klappentext)


Der Schreibstil ist super flüssig und man fliegt geradezu durch die Seiten. Da ist kein unnötiger Schnickschnack und die Geschichte wird nicht mit Ausschmückungen künstlich in die Länge gezogen. 412 Seiten soll das Taschenbuch haben, doch im eBook gibt es 220 an, was mir auch realistischer erscheint. Liegt vielleicht am Buchsatz, aber ich habe das Print nie mit eigenen Augen gesehen.


Die Welt von Kryos ist dunkel und eintönig. Als Sohn des Hades arbeitet er bei der Bootsanlegestelle des Styx' und entscheidet, wer auf Charons Boot steigen darf und wer nicht. Die Hoffnung, das Zeus endlich ein Zeichen schickt, um ihn zum Gott zu erheben, ist groß, und als dieses Zeichen kommt, sieht sich Kryos seinem Traum endlich ein Stück näher. Sehr schnell stellt sich allerdings heraus, dass die Umstände nicht so sind, wie er es sich erhofft hat. Doch Kryos tut alles, um in den Olymp zu kommen, und so nimmt er den ungewöhnlichen Auftrag an.


Ich hatte am Anfang so meine Schwierigkeiten mit Kryos. Er kam mir vor wie ein verzogenes Kind, was mir aber durch die Umstände, in die er hineingeboren worden ist, schwer fiel zu glauben. Zudem schienen mir viele Details ein bisschen zu konstruiert. Es wurde für meinen Geschmack etwas zu sehr mit dem Finger darauf gezeigt, sodass es geradezu offensichtlich war, dass dieses oder jenes Detail später von Bedeutung sein würde.


Und so las ich von Kapitel zu Kapitel, fragte mich sogar, ob ich der Spannung in meinen eigenen Plots zu viel Beachtung geschenkt habe, und schmunzelte über die teilweise doch so voraussehbaren Handlungsstränge. Das Lesen gestaltete sich aber derweil zu einer wahren Freude. Und dann geschah es. Kryos erfüllt seine Aufgabe, und das in der Hälfte des Buches! Das war großartig!


Danach konnte ich das Buch nicht mehr weglegen. Ich erinnere mich tatsächlich nicht daran, wann ich das letzte Mal fünf Stunden am Stück gelesen habe – muss wohl ein Sanderson gewesen sein.


Die Geschichte wurde plötzlich wunderbar vielschichtig. Die Figuren wuchsen mir ans Herz. Kryos wandelte sich zu einem richtigen Helden! Io ist cool, obwohl sie manchmal ein bisschen zu lang braucht, um etwas zu begreifen. Und all die gestreuten Details, die zu Beginn doch ein bisschen auffällig und deplatziert wirkten, flechten sich perfekt ineinander.


Auch der Weltenbau hat mich begeistert. Neben den antiken Götter Griechenlands und der im Zentrum stehenden Hochzeit zwischen Prinz Yamin und Prinzessin Io hat es die Autorin auch verstanden, die wissenschaftlichen Errungenschaften des alten Griechenlands einzubinden. So ist Prinz Yamin ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, der die Lehrsätze des Pythagoras' und die Erfindungen des Archimedes studiert und lehrt. Was für uns heute zur Allgemeinbildung gehört, war damals ein Schauspiel für Unwissende, die sich am Wissen der Gelehrten erfreuten. Und auch wenn dieser Teil des Worldbuildings am Anfang einen großen Kontrast wirft, war es eben dieser Teil, der zu einer absolut gelungenen Geschichte beitrug.


Die Romanze zwischen Kryos und Io steht natürlich im Zentrum. Und auch wenn ich mich anfangs wegen der Vorhersehbarkeit schwer tat, hat auch dieser Strang sich zu einem absolut spannenden und magischen Höhepunkt entwickelt.


Von meiner Seite her eine absolute Leseempfehlung.


By the way – Ich liebe das Cover! :)



(mcl)