Chalions Fluch

Fantasy von Lois McMaster Bujold


Dieses Buch hat es wirklich in sich. An keinem anderen habe ich 2021 so lange gelesen, wie an Chalions Fluch – das hing aber auch damit zusammen, dass ich mitten im Lektorat zu den Raben war. Jedenfalls hegte ich während des Lesens eine Art Hass-Liebe zu dieser Geschichte. Dennoch konnte ich das Buch nicht weglegen und habe es zu Ende gelesen. Mein erstes Urteil: Vernichtend.


Und hier sitze ich nun, drei Monate, nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, und schreibe eine Lobrede.

Warum? Weil ich unterdessen zwei Bücher gelesen habe, die mir vor Augen geführt haben, wie großartig Chalions Fluch war. Aber worum geht es denn genau?


"Cazaril war Höfling und Soldat. Nach einer Intrige wurde er zum Rudersklaven auf den Galeeren. Als gebrochener Mann kehrt er nach Chalion zurück, und er hat nur noch einen Wunsch: ein ruhiges, zurückgezogenes Leben führen. Aber die Götter haben Größeres mit ihm vor. Als Privatsekretär der Prinzessin Iselle muss Cazaril sich am Hof von Cardegoss erneut jenen mächtigen Feinden stellen, die ihn einst in Ketten legten, und mit dem Schwert und Schwarzer Magie gegen einen Fluch ankämpfen, der die Königsfamilie und ganz Chalion zu verderben droht ..." (Klappentext)


Die Geschichte beginnt mit Cazarils Rückkehr nach Chalion, wo er im Haus der Königinnenmutter unterkommt. Auf seine Bitte um eine Anstellung weist ihm die Königinnenmutter die Stelle als Lehrer und Schreiber ihrer Enkelin Iselle zu. Als die Prinzessin zusammen mit ihrem Bruder vom König an den Hof nach Cardegoss eingeladen wird, versucht sich Cazaril erfolglos aus seinem Amt zu winden, doch es bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Prinzessin zu begleiten.


Dem Leser wird sofort klar, dass an diesem Hof irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu geht. Der König selbst verweilt viel lieber in seiner Menagerie, und Chalion wird von den Männern regiert, die für Cazarils Unglück verantwortlich sind.

Man will Cazaril packen und schütteln! Es ist wirklich frustrierend mitansehen zu müssen, wie er sich vor seinen Peinigern selbst klein macht – nur um des Friedens Willen. Sobald sich die Ereignisse überschlagen, wird jedoch klar, dass Cazarils Verhalten einzig und allein dazu diente, die Prinzessin zu schützen. Und Cazaril scheut dabei auch nicht, Schwarze Magie anzuwenden.


Die Welt Chalions ist düster und voller Geheimnisse. Der Glaube allgegenwärtig. Lois McMaster Bujold hat in Chalions Fluch eine Religion erschaffen, wie ich sie bisher in keinem anderen Buch gelesen habe. Basierend auf einer Götterfamilie hat jedes Mitglied seinen Platz in Chalions Glaubenssystem. Zeremonien werden abgehalten, bei denen entschieden wird, von welchem Gott eine tote Seele aufgenommen wird. Und was zu Beginn noch als Weltenbauelement betrachtet werden mag, mauserte sich gegen Ende der Geschichte zu einem wichtigen Teil, der zu einem grandiosen Höhepunkt führt.


Aber warum das vernichtende Urteil gleich nachdem ich es gelesen hatte?

Bujolds Schreibstil war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Natürlich findet man hinein, aber es ist kein Text, den man super schnell überfliegen kann. Allerdings macht es gerade das aber auch zu einem wahren Leseerlebnis. Bujold versteht ihr Handwerk.

Zudem hätte ich mir ein bisschen mehr Action gewünscht. Wer ein Fan von Intrigen ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Wie das Leben zu Hofe in Chalion beschrieben wurde, verhielt sich auch da alles etwas steif. Für mich war es das erste Mal, dass ich so was gelesen habe, darum musste ich mich erst noch daran gewöhnen.

Zudem hätte ich gern etwas mehr über Cazarils Vergangenheit erfahren, denn da spielte die Action! Doch da Cazaril alles dafür tat, um nicht daran erinnert zu werden, gab es nur sehr wenig Einblicke in seine Marter. Das machte es mir zuweil schwierig, ihm abzukaufen, dass er tatsächlich der gebrochene Mann war, wie er im Klappentext angepriesen wurde.


Dennoch hat mich das Buch über Monate hinweg nicht mehr losgelassen. Es ist inspirierend und motivierend. Als Autorin werde ich mir von diesem Werk ein riesiges Stück abschneiden, denn Bujold hat mir definitiv neue Türen geöffnet und gezeigt, was Fantasy auch sein kann.


Definitiv eine Leseempfehlung.